Glasfasergewebe für WDVS montieren — Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die korrekte Montage des Glasfasergewebes ist der wichtigste Einzelfaktor zur Vermeidung von Fassadenrissen in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS). Diese Anleitung behandelt Einbettungstiefe, Überlappungsanforderungen, Eckverstärkung und die häufigsten Ursachen für vorzeitiges Versagen.

Was ist ein WDVS und warum ist das Gewebe entscheidend?
Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist eine mehrschichtige Fassadenkonstruktion, die ein Gebäude von außen dämmt. Das System besteht — von der tragenden Wand nach außen — aus Klebemörtel, Dämmplatte (EPS oder XPS), Armierungsmörtel mit eingebettetem Glasfasergewebe, Oberputz und dekorativer Beschichtung.
Die Glasfasergewebe-Schicht ist das strukturelle Rückgrat des Armierungsmörtels. Ohne korrekte Gewebemontage führen selbst geringe Temperaturschwankungen, Feuchtigkeitseintritt oder Stoßeinwirkung zu Rissen, die sich durch den Oberputz fortsetzen und Wasser in die Dämmschicht eindringen lassen. Fassadenschäden bei WDVS sind fast immer auf fehlerhafte Gewebeeinbettung, unzureichende Überlappung oder falsche Gewebespezifikation zurückzuführen.
Die richtige Gewebespezifikation wählen
Vor Montagebeginn muss das passende Gewebegewicht für die jeweilige Anwendung gewählt werden:
| Anwendung | Empfohlenes Gewebe | Zugfestigkeit |
|---|---|---|
| Standard-WDVS-Fassade | 7×7mm 115gr/m² | ≥1800 N/5cm |
| Stark beanspruchte Zonen | 5×5mm 160gr/m² | ≥2100 N/5cm |
| Feinputz / Innenputz | 4×4mm 145gr/m² | ≥1900 N/5cm |
Alle Bautex-Glasfasergewebe tragen die CE-Kennzeichnung und sind mit alkalibeständiger Acrylat-Emulsion oder SBR beschichtet, um dem hohen pH-Wert zementgebundener Armierungsmörtel standzuhalten.
Montage Schritt für Schritt
Dämmplattenoberfläche vorbereiten
EPS- oder XPS-Platten müssen vollständig verklebt und ausgehärtet sein, bevor das Gewebe angebracht wird. Überstehende Plattenkanten und Unebenheiten müssen abgeschliffen werden. Die Oberfläche muss trocken, staubfrei und strukturell stabil sein. Kein Armierungsmörtel auf Platten auftragen, die noch mit Klebeschaum aushärten.
Armierungsmörtel auftragen
Eine 2–3 mm gleichmäßige Schicht polymermodifizierten Armierungsmörtels mit einer Edelstahlkelle auftragen. In überschaubaren Abschnitten (1,0–1,5 m Breite) von oben beginnend arbeiten. Der Mörtel muss beim Einlegen des Gewebes noch verarbeitbar sein (nicht angezogen) — je nach Temperatur meist innerhalb von 15–20 Minuten.
Glasfasergewebe einbetten
Das Gewebe vertikal abrollen und von oben beginnend von Hand in den nassen Mörtel eindrücken. Mit einer Glättkelle oder einem Reibebrett das Gewebe mit gleichmäßigem Druck einarbeiten. Von der Mitte nach außen arbeiten, um Lufteinschlüsse und Wellen zu vermeiden. Das Gewebe muss vollständig im Mörtel eingebettet sein — die Struktur sollte durch den Mörtel kaum sichtbar sein.
Zweite Mörtellage auftragen
Nach der Einbettung des Gewebes eine weitere 1–2 mm Mörtelschicht auftragen, um es vollständig zu umhüllen. Die Gesamtdicke sollte 3–5 mm betragen. Das Gewebe sollte im äußeren Drittel der Mörtelschicht liegen — weder direkt auf der Dämmplatte noch bündig mit der Oberfläche.
Überlappungen einhalten
Benachbarte Gewebebahnen müssen an allen Seiten- und Stoßfugen mindestens 100 mm überlappen. An Außenecken das Gewebe mindestens 200 mm um jede Seite herumführen. Keine Stoßfugen ohne Überlappung verwenden — sie sind die häufigste Ursache für Spannungsrisse entlang der Gewebenähte.
Ecken und Öffnungen verstärken
Diagonale Verstärkungsstreifen (ca. 200×300 mm) zuschneiden und im 45°-Winkel an allen Fenster- und Türecken vor dem Hauptgewebe einbetten. Diese doppelte Lage an Spannungspunkten verhindert den klassischen diagonalen Riss, der von Fensterecken ausgeht.
Aushärtung und Trocknung
Den Armierungsmörtel mindestens 24–48 Stunden aushärten lassen, bevor der Oberputz aufgetragen wird — bei kaltem oder feuchtem Wetter entsprechend länger. Frischen Mörtel vor direkter Sonne, Regen und Frost schützen.
7 häufige Montagefehler bei WDVS-Gewebe
Unzureichende Überlappung an Fugen (unter 100 mm)
Die häufigste Ursache für sichtbare gerade Risse auf der fertigen Fassade. Immer messen, nie schätzen.
Gewebe auf getrocknetem Mörtel aufgebracht
Das Gewebe muss in nassen Mörtel eingebettet werden. Sobald der Mörtel angezogen hat, entsteht nur eine mechanische Verbindung — unzureichend für dauerhafte Rissbeständigkeit.
Gewebe zu nah an der Dämmplatte
Gewebe, das die Plattenoberfläche berührt oder fast berührt, zieht Feuchtigkeit und verstärkt den Mörtel nicht strukturell. Zielposition: äußeres Drittel des Armierungsmörtels.
Keine Eckverstärkung an Fensteröffnungen
Wird die diagonale Vorverstärkung an Fensterecken ausgelassen, entsteht der klassische 45°-Riss von den Öffnungsecken aus — oft schon nach dem ersten Temperaturzyklus sichtbar.
Zu leichtes Gewebe zur Kosteneinsparung
Ein 75gr/m² Gewebe in einem System zu verwenden, das 115gr/m² oder 160gr/m² erfordert, ist eine Fehlkalkulation. Das System reißt vorzeitig, und die Reparaturkosten übersteigen die Ersparnis bei Weitem.
Faltiges oder gebündeltes Gewebe
Falten im Gewebe erzeugen Spannungspunkte. Immer von der Mitte nach außen glätten. Abschnitte mit sichtbaren Falten neu einbetten.
Oberputz vor vollständiger Aushärtung des Armierungsmörtels
Zu frühes Auftragen des Oberputzes schließt Feuchtigkeit im Armierungsmörtel ein und führt zu Blasenbildung und Ablösung. Mindestens 24–48 Stunden Aushärtezeit sind erforderlich.
Glasfasergewebe-Montage für WDVS — Zusammenfassung
Gewebegewicht nach Anwendung wählen: 115gr/m² für Standard-WDVS, 160gr/m² für stark beanspruchte Zonen
Immer in nassen Armierungsmörtel einbetten — nie auf ausgehärteten Mörtel auftragen
Mindestens 100 mm Überlappung an allen Gewebefugen; 200 mm an Ecken
Gewebe im äußeren Drittel der Mörtelschicht positionieren
Alle Fenster- und Türecken vor dem Hauptgewebe mit diagonalen Streifen vorverstärken
24–48 Stunden Aushärtezeit vor dem Oberputz einhalten
CE-gekennzeichnetes, alkalibeständiges Gewebe verwenden — nicht-alkalibeständiges Gewebe zersetzt sich in zementgebundenen Mörteln innerhalb weniger Monate